I
Wenn ich in den Nachthimmel schaue oder KI-generierte Bilder des Universums betrachte, spüre ich ein sentimentales Gefühl von Heimat. Ein Angekommen-Sein an sich. Die Schwankungen des Alltags verblassen vor der Majestät, die ich ja zugleich selber bin. In solchen Momenten wird mir bewußt, wie kleinkrämerisch unser Tun und Denken verläuft, als könnte man an der großen Un-Ordnung drehen. Es stellt sich so etwas wie ’sinnlose Freiheit‘ ein.
Dieses Gefühl ist in der Kunst kaum wiederzugeben, und es kann nur darum gehen einen Hinweis aufzustellen: ‚Hier gehts zum Un-Sinn‘. Dabei sollten wir Form und Inhalt unterscheiden können, weil nur so die Grundlagen unsere Annahmen in Frage gestellt werden können.

II
Vor dem Modell von Schwarzer Materie, dem Filament des größeren Zusammenhangs, verblasst unsere Selbstherrlichkeit. Wir leben auf dem Punkt irgend eines Satzendes von all dem Geschriebenen dieser Welt. Das soll nicht relativieren, nur die Möglichkeit beleuchten, dass wir als Individuum die Deutungshoheit des Selbstverfassten längst verloren haben. Über KI und deren Algorithmen können neue Zusammenhänge sichtbar gemacht werden, die sich zumindest in Fragmenten verständlich darstellen ließen. Nur, mit der KI verhält es sich wie mit einer Pyramide: Wir wissen nicht wirklich, was im Inneren verbaut ist. Und es wird nicht einfacher, wenn das unter kapitalistischen Bedingungen erarbeitet wird. Die Ethik dazu wird meist nur hypothetisch formuliert, weil sich neue Wirkungsmechanismen bislang immer ihren Weg gebahnt haben. Um es mit Jeff Goldblum zu sagen: ‚Life, uh, found a way‘.
(* Über Albert Camus den Titel bei Jürgen Brockmann entliehen)