Nachklang

Gerade liegt das Buch der Berliner Casper David Friedrich Ausstellung von 2021 auf meinem Tisch, ich kann es vom Sofa leicht erreichen, lese, schaue, lese, bin erstaunt – ein guter Band.
Natürlich ist Friedrich artifiziell und er konnte es ungebrochen sein, weil die (unberührte) Natur noch ‚vor der Haustür‘ lag. Wirklich (im Sinn von Real) ist an seinen Bildern nichts – sie sind wahrhaftig! Sie konstruieren den Gegenstand Natur, entwerfen ihn neu, als Schöpfung, die durch Friedrich zur Geste wird – werden muss, um ‚gelesen‘ werden zu können. Eine neue Form, in die der Mensch mit eingeschrieben steht, im demütigen Zyklus vom Werden und Vergehen: Einer Allegorie des Seins, ohne die titanenhaft geordnete Staffagen-Landschaft des Klassizismus.
Es ist das ausgedachte, fragmentierte ‚Normale‘, mit Wand Fenster Meer und Schiff, Heide Tanne Fels, den Menschen am Meer, den Himmel nicht zu vergessen.
Pastoral.
Da ist nichts naturalistisch gemalt – Friedrichs Vermögen selbst wird hier zur Idee, bei einer Darstellung näher an der Wirklichkeit wäre der Blick verstellt – so macht es Sinn. Kontemplativ – keine Konkurrenz zur Natur – es ist das Hineinsehen -gehen in eine begrenzte Weite.
Jaup,
aber vielleicht liegt in diesem Sog auch die unlösbare Problematik, vielleicht ist es der Schwachpunkt der Romantik allgemein, in der Aufgeben und Aufheben immer gegenwärtig sind, uns im Grenzenlosen verlieren läßt, was schwer geworden ist, zuletzt auch das Gerüst, welches trägt, das Subjekt in Form hält und weiter entwickelt. Möglicherweise setzte Goethes Kritik hier an, seiner Welt nicht den Grund zu entziehen, deren Ideen (Hegel) Marx dann vom Kopf auf die Füße gestellt hat.
So bleiben Friedrichs Bilder beredte Zeugen von Orten der ‚Bildnahme‘, und präsentieren mit Abständen der gegenständlichen Erscheinungen eine gefüllte Leere, in die hinein sich das Gefühl für das Unendliche evozieren läßt. Der Bildner vermittelt ohne zu missionieren und rollt den farbig sorgfältig nuancierten Teppich weit aus.