Archiv für den Monat: August 2021

Kleine Klage zum Ende

trauern wir ihm nicht nach, dem deutschen Jahrhundert.
Es war nicht das Erste, wohl aber das Letzte. Mit zwei Weltkriegen, der Shoa und einer unwahrscheinlichen Kraft sich zu regenerieren.
Nun ist’s vorbei.
Das Kapital, in seiner ersten Blüte (England), hat nach der Revolution 1917 und einer weiteren Verelendung der Massen in den Industrieländern mit Deutschland sein hässlichstes Gesicht gezeigt. Nichts was relativiert werden soll, der Nationalsozialismus ist auf deutschsprachigen Boden gewachsen. Das Herleiten über den verlorenen ersten Weltkrieg, den Kontinental-Europa ganz sicher gemeinsam begonnen hat, die einzige Schuld aber beim Erbfeind abzuladen, hat natürlich alle Tore geöffnet, um von einer Entzündung eine Eiterbeule werden zu lassen. Wenn dann noch die SPD zu keiner Quarantäne bereit war, weil sie mit der KPD hätte stimmen müssen, frisst sich das Virus durch. Mit der Unterstützung des großen Kapitals konnte man bald damit leben, bis es den ganzen Körper übernommen hatte.
Die bloßen Zahlen für Europa, 2. Weltkrieg:
27 Millionen Tote der Sowjetunion (Soldaten und Zivilisten)
6-7 Millionen Tote beim organisierten Tod des jüdischen Lebens
6 Millionen Polen
und viele viele Millionen mehr
Das diese Völker überhaupt noch mit uns reden, ist mir oft unverständlich und erfüllt mich mit Scham. Ich kann verstehen, wenn man Wagner nicht spielen, oder hören will. Letztlich wird seine Musik zum Symbol, ist jedoch aus anderem Jahrhundert, war ’nur‘ die Musik zum Totentanz (wie auch Bruckner). Das es passte, war/ist sinnfällig; in ‚Über das Judentum in der Musik‘ wurde die ganze Anlage schon vorgezeichnet, die erste Hälfte des deutschen Jahrhunderts auf Verwesung gebaut.
Und immer noch nicht will man auf den Autobahnen 130 km/h als Höchstgeschwindigkeit einführen, wo bliebe da der Glanz, die besten Autos, nicht mit der gebotenen Straße zu unterstützen. Nun reichen ein Differential, Maschinen und deren Automatisierung nicht mehr. Deutschland ist zu langsam geworden!
Die Chinesen machen uns vor, wie Leben und Staat über Hilfe der Netzwerke verschmilzt. Das hat andere Qualität. War Europa (mit all seinen Ländern im Wechsel) über Jahrhunderte treibende Kraft der Entwicklung, wird das Land der Mitte mit seinem System der Symbiose von Staat und Individuum die Welt bewegen.
Fortschritt meint hierbei, sich Ziele zu stecken und sie auch zu erreichen, kein BER; die Wandlung des Systems zum Staatskapitalismus, der Auflösung des Individuellen, setzt beim chinesischen Volk Kräfte frei, weil es kulturell passt.
Auch der Nationalsozialismus hat gepasst, Zeit und Rahmen waren folgerichtig, um zu erreichen, was als Ziel gesteckt war – ab 1939 Unmenschlichkeit und Untergang.
Vielleicht ist es genau dieser nationale Wille, der mir bei manchen Staaten Bange werden lässt. Zu viele Parallelen, auf unsere Zeit übertragen: demokratisch totalitär. Meint das selbe wie Staatskapitalismus, ist im beiden Fällen nach außen die Quadratur des Kreises, nach innen nichts anderes als das hässliche Gesicht des Kapitals, nur mit Photoshop aufgehübscht.

Erst seit kurzem wissen wir, dass es neben unserer Galaxie noch andere Galaxien gibt. Nicht unbedingt von der Hand zu weisen, dass der interstellare Raum nach 14 Mrd Lichtjahren endet, aber vielleicht nur eine weitere Universum-Insel neben vielen anderen ist? Keine Viele-Welten-Theorie, um der Quantenphysik aus der Patsche zu helfen, eher ein größeres Bild vom Werden und Vergehen.
Doch bleibt der kleine Haken des Geistes, der erkennt; oder eben auch der, der erschafft. Passiv aktiv – beides. Ein Kreislauf anderer Qualität. Dies zu relativieren, überwinden wir die Angst auf der Suche nach dem Anderen, uns selbst zu begreifen.
Völlig egal, ob wir einzig sind, auf welcher Stufe der Evolutionsleiter wir stehen, denn vielleicht ist das Universum nur ein Nest von Eiern, bei dem wir der Hahnensprung sind. Und wie bei den Eiern schlüpft nicht aus jedem ein Kücken, viel zu früh landen sie in der Pfanne. Wer steht bloß am Herd?