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Notizen zur Kunst

KEINEN KRIEG !

 

… schon in der Wortwahl der aktuellen Berichterstattung entsteht ein Narrativ, dass es auch einen sauberen Krieg geben könnte. Den gibt es nicht! Die Genfer Konvention ist nur das letzte Handtuch zum Verdecken menschlichen Greuls.
‚Bis hier und nicht weiter‘, nur wo sind wir dann schon. Wenn sich eine Bevölkerung mit Frau, Mann und Maus gegen einen Angriffskrieg stemmt, werden unweigerlich Zivilisten getötet. Vielleicht liegt der Unterschied bei umgebracht, ermordet, gegenüber Kollateralschaden? In der Konsequenz jedoch gehen die Lichter aus – das sollte kein Zug unseres Wesens sein. Wir nehmen das Leben des Nächsten (Abel), des Anderen (Nachbarn), des Fremden, wir nehmen das Leben der Tiere zu Milliarden. Wir haben jegliches Maß verloren unsere Art zu behaupten und erfinden eine Erzählung, die das Töten in den Kanon des erweiterten menschlichen Umgangs stellt. Mir ist übel bei diesen Gedanken, und so gibt es beides: die Klavierkonzerte von Mendelssohn, Ravel, Schnittke versus Guernica, Babyn Jarr, Mỹ Lai, Butscha.
Ein Dilemma, denn jede Pistole im Schrank stellt eine potentielle Gefahr da. Aber sind die Schränke leer, kann man mit einem Nachbarn, der die Pistole schon im Halfter trägt nicht mehr auf Augenhöhe reden. Argumente verdunsten im Angesicht von 9 mm. Wohin also mit unserer innewohnenden Verzweiflung, dem Getrennt-Sein vom Ganzen, dem Leben im Widerstand, dem Ich und allem Anderen – als Erlösung zum Einen, in die Regression? Wie gesagt, Politik ist nur die Fortsetzung der Todessehnsucht mit anderen Mitteln.
Aua, und was macht das Kapital? Als Metasystem legt es sich um und über jede Entäußerung menschlicher Produktivkraft und Gestaltung, schreibt die Gesetze des Handels bis zum nächsten Kollaps des globalen Wirtschaftssystems, das immer wieder eine neue, nicht rationale, Spirale von Gewalt erzeugt. Selbstreinigung auf kapitalistisch und wie bei Hitler-Deutschland in soziopathischer Anlage.
Ende gut, alles gut? Eben nicht, denn die Regenerationsmöglichkeiten sind wesentlich beschränkter als ’45, wir haben Klima und Pandemie – selbstgemachte Leiden, die die gleichen Ursachen haben. Bei der Pandemie müsste man wohl etwas weiter ausholen, aber es ist immer das Selbe: Die Zwerge haben zu tief gegraben!

KEINEN KRIEG! NO WAR! НЕТ ВОЙНЫ!

Es trifft mich mit voller Wucht, hat sich durchgeätzt,
ein westlich orientierter Staat, mit demokratisch gewählter Regierung, verteidigt sich – allein. Gegen die Angriffe eines lupenreinen Demokraten, der sein ganzes Volk mit in die Verantwortung zieht – für sein Verbrechen. Natürlich, auf Dauer wird die Ukraine nicht zu verteidigen sein, wir wollten das hinaus verhandeln – wird schon. Es wurde nicht.
Und nun diese halben Sanktionen, das Kalkül geht auf, dass der Westen sich nicht mehr schadet als nötig. Dabei kommt die Ukraine unter die Räder der Geschichte. Das es keinen anderen Weg gibt, scheint folgerichtig, leider, unser Zeitalter verabschiedet sich mit einem Paukenschlag.
1974/75 diente ich in der Bundeswehr (Heer), es standen 36 Brigaden unter Waffen, heute umfasst das Heer noch drei Divisionen mit insgesamt 10 unterstellten Brigaden*, wovon 3 zusammengewürfelt einsatzfähig sind. Tut mir Leid, so können wir nicht nachhaltig verhandeln. Es wird ein europäisches Konzept militärischer Strategie geben müssen, das eng mit der NATO verknüpft sein dürfte, Souveränitäten sind zu überdenken.
Und es sind viele Löcher am rechten (und linken) Rand zu stopfen, es ist unfassbar, dass die internationale Rechte einem Soziopathen huldigt, der eine vermeintliche Entnazifizierung vornehmen will.
In der Ukraine werden freiheitliche Werte verteidigt, sie sind nicht in der EU, nicht in der NATO, kämpfen – genießen unsere Solidarität. Zweifelsohne stellt das einen Wert da, aber es ist auch eine Bankrotterklärung des Humanismus – der Wurzel der Demokratie, einer Staatsfrom, der schon immer bestätigt wurde, dass sie die schlechteste sei, ausgenommen aller anderen.

* (davon 2 niederländische Brigaden sowie dem deutschen Anteil an der Deutsch-Französischen Brigade) und dem Kommando Spezialkräfte (KSK) als Brigadeäquivalent.

Kleine Klage zum Ende

trauern wir ihm nicht nach, dem deutschen Jahrhundert.
Es war nicht das Erste, wohl aber das Letzte. Mit zwei Weltkriegen, der Shoa und einer unwahrscheinlichen Kraft sich zu regenerieren.
Nun ist’s vorbei.
Das Kapital, in seiner ersten Blüte (England), hat nach der Revolution 1917 und einer weiteren Verelendung der Massen in den Industrieländern mit Deutschland sein hässlichstes Gesicht gezeigt. Nichts was relativiert werden soll, der Nationalsozialismus ist auf deutschsprachigen Boden gewachsen. Das Herleiten über den verlorenen ersten Weltkrieg, den Kontinental-Europa ganz sicher gemeinsam begonnen hat, die einzige Schuld aber beim Erbfeind abzuladen, hat natürlich alle Tore geöffnet, um von einer Entzündung eine Eiterbeule werden zu lassen. Wenn dann noch die SPD zu keiner Quarantäne bereit war, weil sie mit der KPD hätte stimmen müssen, frisst sich das Virus durch. Mit der Unterstützung des großen Kapitals konnte man bald damit leben, bis es den ganzen Körper übernommen hatte.
Die bloßen Zahlen für Europa, 2. Weltkrieg:
27 Millionen Tote der Sowjetunion (Soldaten und Zivilisten)
6–7 Millionen Tote beim organisierten Tod des jüdischen Lebens
6 Millionen Tote Polen
und viele viele Millionen mehr
Das diese Völker überhaupt noch mit uns reden, ist mir oft unverständlich und erfüllt mich mit Scham. Ich kann verstehen, wenn man Wagner nicht spielen, oder hören will. Letztlich wird seine Musik zum Symbol, ist jedoch aus anderem Jahrhundert, war ’nur‘ die Musik zum Totentanz (wie auch Bruckner). Das es passte, war/ist sinnfällig; in ‚Über das Judentum in der Musik‘ wurde die ganze Anlage schon vorgezeichnet, die erste Hälfte des deutschen Jahrhunderts auf Verwesung gebaut.
Und immer noch nicht will man auf den Autobahnen 130 km/h als Höchstgeschwindigkeit einführen, wo bliebe da der Glanz, die besten Autos, nicht mit der gebotenen Straße zu unterstützen. Nun reichen ein Differential, Maschinen und deren Automatisierung nicht mehr. Deutschland ist zu langsam geworden!
Die Chinesen machen uns vor, wie Leben und Staat über Hilfe der Netzwerke verschmilzt. Das hat andere Qualität. War Europa (mit all seinen Ländern im Wechsel) über Jahrhunderte treibende Kraft der Entwicklung, wird das Land der Mitte mit seinem System der Symbiose von Staat und Individuum die Welt bewegen.
Fortschritt meint hierbei, sich Ziele zu stecken und sie auch zu erreichen, kein BER; die Wandlung des Systems zum Staatskapitalismus, der Auflösung des Individuellen, setzt beim chinesischen Volk Kräfte frei, weil es kulturell passt.
Auch der Nationalsozialismus hat gepasst, Zeit und Rahmen waren folgerichtig, um zu erreichen, was als Ziel gesteckt war – ab 1939 Unmenschlichkeit und Untergang.
Vielleicht ist es genau dieser nationale Wille, der mir bei manchen Staaten Bange werden lässt. Zu viele Parallelen, auf unsere Zeit übertragen: demokratisch totalitär. Meint das selbe wie Staatskapitalismus, ist im beiden Fällen nach außen die Quadratur des Kreises, nach innen nichts anderes als das hässliche Gesicht des Kapitals, nur mit Photoshop aufgehübscht.

interstellar

Erst seit kurzem wissen wir, dass es neben unserer Galaxie noch andere Galaxien gibt. Nicht unbedingt von der Hand zu weisen, dass der interstellare Raum nach 14 Mrd Lichtjahren endet, aber vielleicht nur eine weitere Universum-Insel neben vielen anderen ist? Keine Viele-Welten-Theorie, um der Quantenphysik aus der Patsche zu helfen, eher ein größeres Bild vom Werden und Vergehen.
Doch bleibt der kleine Haken des Geistes, der erkennt; oder eben auch der, der erschafft. Passiv aktiv – beides. Ein Kreislauf anderer Qualität. Dies zu relativieren, überwinden wir die Angst auf der Suche nach dem Anderen, uns selbst zu begreifen.
Völlig egal, ob wir einzig sind, auf welcher Stufe der Evolutionsleiter wir stehen, denn vielleicht ist das Universum nur ein Nest von Eiern, bei dem wir der Hahnensprung sind. Und wie bei den Eiern schlüpft nicht aus jedem ein Kücken, viel zu früh landen sie in der Pfanne. Wer steht bloß am Herd?

Warum der Glaube am Nagel hängt

Die drei Nägel im Fleisch und Knochen sind das Gleichgewicht, sind die Brücke, sind der Geist, sind der Tod von dem, der fragt: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Fragen muss, denn dieser letzte Funke Leben lässt ihn noch Mensch sein; erst durch das Verlassen des Lebens und jeglichem Glauben geht er auf. Jesus wusste es nicht besser?, eher eine Präzedenz von Menschlichkeit die Gott sei: Das duale Spiel.
Die spätere Auferstehung ist Abbild dessen und eine Behauptung der Hinterbliebenen, Dreh- und Angelpunkt christlicher Leere (ee, kein Fehler). Wunder werden erzwungen, der Glaube bewiesen, geht seinen eigenen Weg als Bestätigung der Gottwerdung über die Schwelle der Zeit hinaus.
Wie bekommt man das gerade gerückt?, gar nicht. Nur, dass man von da, an den Glauben glauben soll. Mit der Himmelfahrt entsteht ein Narrativ, wird dies institutionell, nennt es sich Kirche.
So hat sich eine Repräsentanz gebildet, die diesen Vorgang verwalten will und über die Zeit die Deutungshoheit gewonnen hat. Für die Völker eine Katastrophe. Am christlichen Wesen musste die Welt genesen, eine Welt, die keine Heilung brauchte. Es wurde ein vermeintliches Seelenheil konstruiert, ohne das man nicht ins Paradies kommen konnte. Immer noch besser ein im guten Sinn erschlagener Wildling (Ungläubiger), als dass er in der Hölle hätte schmoren müssen – solch eine Rechtfertigung musste einem erst mal einfallen.
Rettung im Paradies? Das Christentum (auch der Islam) brauchen die Läuterung im Szenario des Weltenbrandes. Je heißer und realer die Hölle, desto größer der Auftrieb. Eine Spur der Verwüstung, die sich durch die Täler des Geistes (und Landes) zieht.
Da ist keine Erlösung (auch nicht im buddhistischen Verstandestod = Stillstand der Interpretation = Nirvana), es gibt nur Akzeptanz und Handlung, die aus der inneren Notwendigkeit entspringt, jeden Moment das Beste zu geben und anzunehmen, dass man vor dem Gang aus dem Haus seine Schnürbänder gut gebunden hat. Mehr ist nicht zu tun.
Ah, vielleicht noch den Kapitalismus abschaffen.

Iteration (oder wie das Pattern in die Welt kam)

… wohl zuerst in der Architektur, die alten Tempel haben schon aus bautechnischen Gründen eine Rhythmisierung der gleichen Elemente. Das sich dies im Fries fortsetzte, war nur folgerichtig.
Das handgefertigte, immer wiederkehrende, Objekt ist unterschiedlich. Seit 26 Jahren lebe ich auf einem Perserteppich (keine Kinderarbeit), bei dem sich jedes Ornament wiederholt. Sei es die Farbe, die Form, der Abstand zum Rand, alles referiert den Nächsten, ist gleich und doch grundverschieden. Hier wird Handwerk zur Weltsicht!

Was wahr ist, war noch nie wirklich und wird es nie sein. Oha, bloß weiter, es geht nur um die kleinen, sich immer wiederholenden, Versatzstücke.
In der neuzeitlichen Musik viel mir dies zuerst bei Bruckner auf, in der sich wiederholende Taktintervalle, innerhalb einer Form, auf eine kontemplative Ebene verschoben wurde, die seinesgleichen sucht (8. Symphonie, 2. Satz). Die ganze Musik des Minimal ist davon angesteckt, dass es mich dort in die Langeweile treibt (Ausnahmen bestätigen die Regel: ‚in C‘ von Riley).
Losgelöste sich wiederholende Sequenzen ergeben Dekor, aber keinen Sinn. Denn anders, als beim islamischen Bilderverbot, übersteigt dabei nichts den inneren Zusammenhang, hat nur den Anschein des Meditativen, eines Mantras, ist schlechte Folklore.

An einigen Ecken füllen sich Räume der Bildenden Kunst mit solchen Schnipseln; ich stehe vor den Arbeiten und kann das Handwerk, im schlechten Fall die Mühen, schätzen. Mir fehlt die Inspiration im Verlauf, die nur auf das Ziel hingearbeitet eine begrenzte Fläche zu füllen.
Deutlich wird dies im Bezug zur gesellschaftlichen Relevanz. Das Pattern degradiert sich zur blassen Entscheidung, dem die innere Notwendigkeit fehlt. Das ahnbare Nächste ist schon gefüllt, die Sehnsucht befriedigt. Dies nutzt den Geist zu füttern, ohne ihm eigentliche Nahrung zuzuführen: Je weniger wir folgerichtig projizieren, desto kleiner wird der utopische Vorsprung eine Welt zu denken, in der Leben lebenswert ist.

Dann waren es Computerspiele (erste Ego-Shooter), die für ihre virtuellen Räume Hintergründe brauchten. Wie immer ist es eine Frage der Ökonomie, in diesem Fall die der Rechenleistung, die wiederholbare Tapetenschnipsel, auf Dreiecken, in den konstruierten Raum stellte. Davor die simple Einrichtung mit einigen Schaltern, fertig war eine Umgebung, welche den Aktionsradius des Users markierte. Das diese Engines heute immer kleinere Dreiecke, oder Polygone, berechnen können und daran ihre Muster hängen (Texture Mapping), macht die erzeugten Welten immer glaubwürdiger, bis hin zur Realitätsverschiebung.

Eine Gattung stirbt

Einer der letzten Musiker, die noch Symphonien schreiben ist Erkki-Sven Tüür, geboren *1959 (9 Symphonien).

Ich gebe mal 12 Jahre nach oben und unten vom Geburtsjahr, dann bleiben in seiner Generation: Glenn Branka *1948 (10) (schon speziell), Kalevi Aho *49 (17), Poul Ruders *49 (5), Manfred Trojahn 49 (3) (eher zur Oper denn Symphonie) und Carl Vine *54 (8). Von den jungen Søren Nils Eichberg *73 (3), Lera Auerbach *73 (4) und vielleicht Kevin Puts *72 (4).
Die Vätergeneration von Henze *26 bis Sylvestrov *37 muss ich dabei schon weglassen.

Natürlich fehlt da ganz entscheidendes in der Entwicklung der Orchester-Musik, ich wollte mich hier nur auf die Gattung Symphonie beziehen. Symphonik als Weltentwurf, ein Gebäude mit verschiedenen Etagen, dem Opus Magnum, Freude, Forderung und Fluch zugleich.
Als Gattung verbraucht, frage ich mich, wie damit umgehen, wie neues Leben einhauchen?
Was macht Tüür anders, was traut er sich, wie bekommt er es in den Griff?
Müssen denn alle die Oper schreiben, bei Trojahn ist es mir besonders aufgefallen, dass er sich nach der 3ten aus seiner neoromantischen Symphonik raus gewunden hat, um ‚gehaltvoller‘ zu werden. Gesang in der Symphonie ist doch möglich (bei Mahler geht’s los, Beethovens 9te lasse ich mal außen vor).
Oper ist die Flucht ins Gesamtkunstwerk, in die Inszenierung, und man muss schon reichlich Schilder aufstellen, oder durchtragen, damit das Publikum nicht romantisch glotzt. So wird am Gesang geschraubt, dass meine Hörschwelle locker überwunden wird. Man füllt das Geheimnis mit Wort und Bild, um eine Welt zu bauen, die mit reinen musikalischen Mitteln nicht mehr möglich scheint, oder wenn, als Cluster, bis von der Deutung nichts mehr übrig bleibt, außer das Material an sich. Um hier zu lenken, reicht nicht der Gesang, muss es gleich das Welttheater sein?
(Ich glaube, dass Wagners Adaption von Faschismus schon ähnliche Gründe hatte, Medien die umfassen, haben für mich den Geruch des Lullens (besser Zullens?), heute auf die Spitze getrieben durch 3D-Brillen und Personal Suits, es fehlen nur noch die Schläuche.)

Anders Tüür. Das liegt nicht zuletzt an seiner populären Arbeit „Von 1979 bis 1984 war er Komponist, Flötist, Keyboarder und Sänger des von ihm gegründeten kammermusikalischen Rockensembles ‚In Spe‘, das schnell zu einer der beliebtesten Rockgruppen in Estland avancierte“ [Zitat Wikipedia], da werden Rock-Elemente in neuen Zusammenhang gestellt. Die ‚ernste‘ von ‚populärer‘ Musik geerdet, bekommt einen anderen Klang (Symphonie No. 5).

Dann gibt es vieles Anderes, was sich sicher richtig im Verlauf der Musikhistorie darstellt, aber nicht mehr für die Seele. Die Vätergeneration schrieb das Kapitel weiter, bis mit der Polystilistik (schon im Werk von Mahler und Ives angelegt) bei Schnittke der Höhepunkt gefunden war, alle anderen danach haben sich Nischen gesucht (ich mag Silvestrov). Und Glass muss ich zugestehen mit Minimalsprache und der Repetition (dem Pattern), das Serielle auf neue Weise verarbeitet zu haben (ich mag’s nicht, außer der 8en). Schon in Bruckners 8en liegt die Verheißung der Moderne. Hier hat Musik, wie dann auch noch bei Glass, zu einer homogenen Formsprache innerhalb der Gattung gefunden.
Bei Mahler und Ives wird das Fragment bewusstes Stil-Element, ist großer Wurf der Spätromantik und Übergang zugleich. Die Moderne mit Schönberg, Webern, Berg, Scrjabin, Stravinsky schrieb keine (kaum) Symphonien. Die Überwindung Donaueschingens (Boulez, Ligeti und Lachenmann, etc.) brachte Henze auf den Plan. Im Osten Europas, entwickelte sich die Symphonie weiter, da diese Form am ehesten mit dem staatl. Sozialistischen Realismus kompatibel war, die Künstler fanden aber schnell Wege die Doktrinen zu unterlaufen, so entstand eine Doppelbödigkeit, ein ‚als ob‘, ein um die Ecke schreiben und die wiedergefundene Religiosität. Von da aus scheint es mir nicht mehr weit bis zu Tüür, vielleicht ist dann nur noch der Mystizismus von Messiaen unterzubringen. Bei dessen Turangalîla-Symphonie (1946-48) habe ich ein Déjà-vu (welches für mich bis zu Ives zurückreicht).

Mit Aho und Ruders ist Tüür eine Einzelerscheinung, die mit einer kompositorischen Struktur arbeiten, welche formal ihr Recht verloren zu haben scheint.
Natürlich fühle ich mich dem verwandt, meine Ideen in der bildenden Kunst sind ähnlich. Einstmals fortschrittliche bürgerliche Strukturen in ein Konzept des Unvertrauten, jedoch scheinbar schon gehörten, gesehenen, zu überführen. Und wie ich mir bei Puts unsicher bin, ob das wirklich ins Schwarze trifft, gilt das für mich genauso.
Diese ständige Unsicherheit bringt einen wachsamen Zustand, der alles auf den Prüfstand stellt. Der bei jedem homogenen Werk skeptisch ist, ob es sich nicht einschleichen will, in die unteren Sphären des Bewusstseins, um von dort aus den Weg freizugeben für ein interesseloses ErLeben. Ich weiß, dass dies das Herz erfreut, aber auf keinen Fall den Geist schärft, und ich glaube einfach, dass es unsere Zeit erfordert, den Auftrag des Bildenden (in der Kunst) wörtlicher zu nehmen, als er eigentlich gemeint ist.

transreal

Das Rot steht gut, dazu intensives Gelb mit zartblauem Strich.
Das Radio plärrt vor sich hin:
Amerikanischer Jazz-Kitsch der 40er.
Die Striche müssen sitzen, auch das Narrativ.
Erzählen, ohne zu reden!
Und natürlich hole ich mir die Geschichte aus dem Kopf.
Und natürlich weiß ich vorher nichts davon – aber nur wenn sie stimmt, kann es auch eine gute Arbeit sein. Da ist keine nachträgliche Deutung, es ist ein sich Entwickeln zur Form.
Mein Erleben, meine Gedanken über Staat und Gesellschaft, schon die erste Linie ist davon geprägt, nicht ausdrücklich, sie wird es im Zusammenspiel. Das Fragmentarische bleibt erhalten (dem einzelnen Element wird ein Wert im Gesamten zugesprochen), die Offenheit bestätigt und als Möglichkeit einer neuen Erzählung, vom Betrachter selbst gestaltet, mitgedacht.

uups

Die kritische Masse scheint überschritten. Tut mir leid Corona-Leugner, aber qualitativ ist das nun anders. Es ähnelt eher der spanischen Grippe, dies ist nicht verzweifelnd, aber eine folgerichtige Entwicklung einer Situation, die aus dem möglichen Stellmechanismus gelaufen ist.
Die Spaßgesellschaft konnte es nicht lassen, und die Liberalen hatten ihr Fleckchen, das sie freiheitlich besetzen konnten.
Die Influenza 1918 lief über den Zenit und wenn es ähnlich wird, dann haben wir es nicht gewusst? Das Potential ist dargestellt – Exponentiell – man merkt, wenn Deiche brechen, allerdings ist jede Überschwemmung eine temporäre Angelegenheit. Flut und Ebbe.
Ich bin nicht für eine Durchseuchung Deutschlands, glaube aber, dass der Punkt einer möglichen Eindämmung (, mit unseren freiheitlichen Mitteln) überschritten ist. Jetzt Unsinn vermeiden – keine Ressourcen verschwenden – wo es keinen Sinn macht. Eindämmen, lokale Lockdowns, aber auch lokale Durchseuchungen zulassen, wo es zwangsläufig erscheint, Risikogruppen schützen, aber mit aller Macht um die Verfügbarkeit des Impfstoffs kämpfen.
Die Priorität einer kapitalistischen Gesellschaft ist unmittelbar, die Sicht von Sicherung jeden Individuums ist romantisch. Wir umgehen es jeden Tag, Fauna, Flora, alles geht drauf, tut nicht so, als hätten wir ein Rezept, hatten wir nie. Wir haben verbraucht, in den Tag gelebt, jeden Tag ohne Wiederkehr, ohne Einsicht, immer schon, nur dass wir heute vor dem Ergebnis stehen. Wechsel der Sicht?
Sichtwechsel meint für mich die Idee einer neuen Gesellschaft, nicht deren Reformation. Wir brauchen Räte, mehr Räte die effizient arbeiten (vielleicht keine Betriebsräte von VW). Föderale Länder und Staat müssen eng zusammen arbeiten, nicht gegeneinander, eigenes Interesse muss zurück gestellt werden. Und es wird getan, was zentral beschlossen wird, Punkt.
Na klar, die Macht darf nicht mehr vom Kapital ausgehen, was soviel heißt, dass es entmachtet werden muss, die nächste Grenze ist überschritten, kein Sozialdemokrat wird mehr mitmachen.
Was bleibt, ist Überzeugungsarbeit, Bewegungen zusammen zu führen, die es anders machen wollen, aber auch ich habe mich nett eingerichtet. Das Bewusstsein muss durch Schichten dringen, wie Wasser unter Druck schweren Gesteins, das dauert manchmal etwas länger, aber geklappt hat es noch immer.
Alles neu macht der Mai (selten der Erste) und leider nicht die Einsicht, sondern die Verhältnisse (ich glaube Engels hat das ähnlich formuliert).
Es darf und wird nicht so bleiben wie es ist.
Das ist ähnlich der Pandemie, es gibt einfach einen Punkt, an dem die Welt, so wie wir sie kennen, sich ändern wird (so albern das ist, haben Sie mal versucht ein Motorrad von 4 Zentnern zu halten, das langsam aus der Balance strebt – viel Glück).
Alles bedingt sich, Alles hängt mit Allem zusammen, gibt es Stress in der Flora, ist die Fauna betroffen. Natürlich gilt das auch für die Ökonomie, der einzige Hebel, das Kapital an seine fortschrittliche Rolle vor mehr als 150 Jahren zu erinnern. Nur dann und nur dann, wenn das Kapital ökosozial handelt, geht es ohne Enteignung. Au-ha, das Unwort ist gefallen.
Aber was machen Amazon, etc., die mit Emphase versuchen Arbeitsplätze in Deutschland zu etablieren. Es wird mit gemacht, mit gedacht, es wird verwickelt, es wird ‚to big to fail‘. Wie könnt man andres erklären, dass VW so glimpflich in Deutschland davon gekommen ist; die amerikanische Strafe ist wohl berechtigt, wenn auch differenzierter zu sehen, denn wer will schon einen billigen ’sauberen‘ Diesel, wenn man selbst nur Benziner im Programm hat? So ist im eigenen Land die Entschädigung gerade mal mit Not über den Tisch gezogen.
So sehr ich es liebe, dass es läuft, ist dies genau der kapitalistische Gedanke, der uns den letzten Rest der sozialen Marktwirtschaft kosten wird. Habe ich Angst um sozialdemokratische Positionen – ja habe ich, sicher ist es die beste der schlechten Welten! Auch wenn es den Kollaps nur verzögern wird, lebt es sich in unserm System besser, als in jedem anderen auf der Welt. Die Freiheit garantiert, Sicherheit vermittelt, das Recht noch relativ gerecht.
Die Schleife zieht sich zu.
Erste richtige Einschränkungen unter Corona, ist das notwendig, verhältnismäßig? Wenn es nicht mehr zu stoppen ist, sind die Richtlinien, Gesetze Unsinn – Kosmetik einer unhaltbaren Situation?
Ist das Bewusstsein soweit, diesen Nihilismus auszuhalten?
Es verlangt Konsequenz, die ich schon jetzt vermisse, und alle Versuche der Politik sind obsolet, hatten nie eine Chance, waren gezeichnet von einem Ansatz von Verständnis auf Empfängerseite, wie Lemminge, feiern wir Party dem Abgrund entgegen. Aus künstlerischer Sicht durchaus interessant, weil wir uns der Beurteilung entziehen könnten, versuchen es zu nehmen, wie es es ist: Ich war nie dieser Künstler. Denn solange eine Erbse bewegt werden kann, anders zu denken als ‚Grün‘, ist die Welt noch nicht verloren.

Glauben Sie mir bitte, dass dies eine völlig entschärfte Variante des Textes ist.